Der ARD Film „Deutschland – Heimat – Fremdes Land“ hat in den letzten Monaten hohe Wellen geschlagen, zumindest könnte man es meinen, wenn man einzelnen Protagonisten wie Albina Nazarenus-Vetter Glauben schenken möchte. Was ist geschehen?

Die Doku beschäftigt sich ziemlich unaufgeregt mit den Russlanddeutschen und fragt, wie sie es denn mit der Politik haben. Dazu wurden einige Parteien, die den Russlanddeutschen besonders zugewandt sind, beleuchtet. Die Tendenz im Film war gegenüber der AfD diesmal weniger scharf, trotzdem fehlte es nicht an Adjektiven wie rechtspopulistisch, minderheitenfeindlich etc. Dies erschien Frau Nazarenus-Vetter, die zu den in der Doku Befragten gehörte, noch immer nicht kritisch genug (um nicht zu sagen, zu neutral), so dass Sie sich gleich zu einer Serie von offenen Briefen  hinreißen ließ. Der erste Brief (http://www.xn--wir-whlen-z2a.info/inhalte/neuigkeiten/offener-brief-an-die-ard.html) ließ keine Zweifel darüber aufkommen, was die Intention des Schreibens war: Die ARD hat eine ganze Bevölkerungsgruppe ins falsche Licht gerückt, denn sie sei ja nicht so AfD-affin, wie behauptet. Ähnlich die Aussage im publizierten Brief der Januar Ausgabe vom DOD.

In den sozialen Netzwerken wurde zur massenhaften Unterzeichnung aufgerufen. Dabei unterschlägt Frau Nazarenus-Vetter, dass sie selbst in der Doku genau diese Tendenz ihren eigenen Landsleuten unterstellte.

In dieser Hysterie lässt sich ein Dilemma der Russlanddeutschen plakativ an der Person Nazarenus-Vetter erkennen: Der Wunsch, einerseits endlich als Deutsche anerkannt zu werden und in der Gesellschaft ankommen und damit nicht mehr auffallen. Andererseits sich doch etwas von der Gesellschaft abzusetzen und zu betonen, man sei, anders als die Einheimischen, konservativer und christlicher geprägt, mit einer besonderen Geschichte. Dies führt dann zu dieser verkrampften Haltung mit ihren sonderbaren Konstellationen und Widersprüchen.

Dabei liegt der Fehler in der Denkweise und im Selbstverständnis der eigenen Identität. Russlanddeutsche seien Migranten, die man in die deutsche Gesellschaft zu integrieren habe. Dies macht Frau Nazarenus-Vetter in der Dokumentation unmissverständlich klar.

Würde Frau Nazarenus-Vetter, die Russlanddeutschen dagegen als das sehen, was sie sind, nämlich in erster Linie Deutsche, dann würde sie verstehen, dass die Deutschen aus Russland Teil deutscher Geschichte und Teil deutscher Kultur, somit der Identität sind. Es wäre eher angebracht, die hier länger lebenden Deutschen über ihre eigenen Landsleute aufzuklären.

Dann würde der Dame auch endlich klar werden, dass viele Russlanddeutsche sich eben als Bewahrer deutscher Tugenden und Traditionen sehen, die es gilt, wieder in die Gesellschaft hinein zu tragen. Und dies betrachten viele Landsleute auf der politischen Ebene nur mit der AfD und durch die AfD als möglich.

Diesen Umstand bestätigen die Wahlergebnisse. Man nehme schlicht die offen einsehbaren Zahlen der Wahlkreise, in denen besonders viele Russlanddeutsche leben: Stadteile in Nürnberg, Regensburg, Pforzheim und anderen Großstädten verzeichneten Wahlergebnisse für die AfD jenseits von 20%. Bei den Landtagswahlen in Baden Württemberg wurde in Pforzheim das Direktmandat für die AfD geholt. Die Fakten sprechen für sich. Da hilft es nicht, eine zweifelhafte Studie zu bemühen, die die Befragten zuhause am Esstisch über ihre politischen Einstellungen ausfragte. Denn am Ende zählt die Wahlkabine.

Somit stünde es Frau Nazarenus-Vetter gut, wenn sie nicht in hysterische Panikattacken auf die eigenen Landsleute verfallen würde, sondern sachlich konstatieren würde, dass Russlanddeutsche endlich auf dem politischen Parkett angekommen sind, selbstbewusst und tonangebend. Denn die einzigen russlanddeutschen Abgeordneten im Bundestag sind in der AfD Fraktion zu finden. Auch in Baden-Württemberg, der Hochburg von Russlanddeutschen und Sitz der Landsmannschaft, hat es bisher nur ein Landsmann in den Landtag geschafft, und das als AfD Abgeordneter – nämlich Anton Baron. Ganz zu schweigen von unzähligen Stadtratsabgeordneten, die auch größtenteils von der AfD gestellt werden. So besteht z.B. die Wiesbadener AfD Stadtratsfraktion aus einem Drittel von Russlanddeutschen.

Von den Filmemachern hingegen hat Frau Nazarenus-Vetter viele Vorschuss-Lorbeeren erhalten: Bundesweit recht unbekannt, wurde sie dennoch großzügig als eine der profiliertesten russlanddeutschen Politikerinnen angekündigt. Interviews mit russlanddeutschen Abgeordneten? Fehlanzeige. Hier klagt also jemand auf sehr hohem Niveau. Vielleicht hat es mit einem gewissen Aufmerksamkeitsdefizit zu tun…

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